„Damit unsere Schüler eine Zukunft haben“

Verleihung des Nikolaus Koch Preises im Rahmen des Ideen- und Förderwettbewerbs passt! Innovative Berufsorientierung in der Region Trier

Am 17.06.2015 würdigten die Nikolaus Koch Stiftung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung in der Alten Färberei in Trier fünf Schulen mit dem Nikolaus Koch Preis 2015. Die Auszeichnung im Rahmen des Ideen- und Förderwettbewerbs passt! erhielten ausgewählte Schulen, die die Jury im April mit ihren Konzepten für eine innovative Berufsorientierung überzeugt hatten.

 

„Wir freuen uns sehr, mit dem diesjährigen Nikolaus Koch Preis die Weiterentwicklung guter Ansätze und innovativer Ideen für Berufsorientierung in der Region zu stärken. Die Erfahrungen des Programms passt! sollen darüber hinaus auch gute Handlungsmöglichkeiten für weitere Schulen aufzeigen“, so Dr. Manfred Bitter, Vorsitzender der Nikolaus Koch Stiftung.

 

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass Berufsorientierung dann erfolgreich ist, wenn die Jugendlichen früher und umfassender über die Vielfalt von Berufen wissen, sie ihre Stärken und Interessen genau kennen und wir ihnen gute Orientierungskompetenzen mit auf den Weg geben“, sagte Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

 

„Die Ausweitung des schulischen Bildungsauftrages auf vielfältige außerschulische Lernorte fördert bei den Jugendlichen wichtige Kompetenzen, die sowohl für den schulischen als auch den beruflichen Werdegang benötigt werden. Auf diesem Weg wird ein wertvoller Beitrag zu einer erfolgreichen Berufs- und Lebensbiografie geleistet. Ich wünsche den heute ausgezeichneten Schulen viel Erfolg für die Umsetzung ihrer innovativen Ansätze, denn sie sind gute Beispiele für gelungene Berufsorientierung, auch für andere Schulen in unserem Bundesland“, sagte Dagmar Barzen, Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz.

 

Die Preisträger-Schulen erhalten eine Fördersumme von bis zu 10.000,- Euro sowie fachliche Begleitung durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung bis zum Sommer 2016 für die Umsetzung ihrer eingereichten Konzepte.

 

Die ausgezeichneten Schulen sind:

 

  • Nelson Mandela Realschule Plus, Trier: Die Schule möchte ihre Schülerinnen und Schüler mit vielfältiger kultureller Herkunft u. a. durch berufsbiografische Schreibwerkstätten bei der Berufsorientierung begleiten und durch eine Praktikantendatenbank die Kooperation mit Betrieben und Unternehmen stärken.
  • Berufsbildende Schule Gewerbe und Technik, Trier: Die Schule möchte u. a. begleitete Patenschaften zwischen ihren Auszubildenden und den Schülerinnen und Schülern der Berufsvorbereitungsjahr-Klassen etablieren – Jugendliche stärken so Jugendliche.
  • Integrierte Gesamtschule, Salmtal: Die Schule im Aufbau möchte sich an den Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schülern orientieren und  vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen: Neben dem Praxistag wird eine Schülergenossenschaft gegründet und eine Schülerakademie eingeführt.
  • Don Bosco-Schule, Wiltingen: Die Förderschule möchte u. a. Maßnahmen und Angebote der Berufsorientierung in einem Berufsorientierungsbüro für Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräfte bündeln sowie ein elektronisches Entwicklungs- und Arbeitsportfolio anlegen.
  • Grund- und Realschule Plus, Neuerburg: Die Schule im ländlichen Raum setzt u. a. auf die Einbindung der Schülerinnen und Schüler in reale Arbeitsabläufe, die intensiv durch die Schule begleitet wird, und die enge Zusammenarbeit mit ausgewählten Betrieben als wertvolle Erfahrung auf dem Weg in den Beruf. Gute Erfahrungen aus einem Pilotprojekt im Bereich Technik sollen auf weitere Berufsfelder ausgedehnt und weiterentwickelt werden.

 

Die Schulen möchten nun die Fördergelder nutzen, um ihre Projekte weiterzuentwickeln und geeignete Räume dafür einzurichten und Materialen anzuschaffen.

 

Berufsbezogene Fächer, frühe Zusammenarbeit, Medienkompetenzen – Aspekte guter Berufsorientierung

 

Vor der Preisverleihung diskutierten Vertreter der Handwerkskammer, Schule, Stiftungen, des Arbeitskreises SchuleWirtschaft und Unternehmen, was Schulen und Unternehmen heute brauchen, um junge Menschen gut auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. Deutlich wurde, dass Schulen und Betriebe frühzeitig aufeinander zugehen und zusammenarbeiten sollten.

 

Gute Beispiele sind hier das Unternehmen Zahnen Technik aus Arzfeld und die Schule Realschule plus in Neuerburg. Über 20 Prozent der Belegschaft der Zahnen GmbH sind Auszubildende. Der Betrieb kooperiert mit viele Schulen und bietet verschiedene Möglichkeiten für Jugendliche, Berufe ganz praktisch zu erfahren, etwa in dem Projekt mit der Schule Realschule plus Neuerburg, wo die Schüler alle Betriebsbereiche – von der Auftragsbearbeitung bis zur Abnahme – durchlaufen und so alle Arbeitsgänge von Anfang bis Ende erleben konnten, und das für fünf verschiedene Ausbildungsberufe. Von diesem Projekt sind auch die Schüler begeistert: „Durch unser Projekt bei der Firma Zahnen hatte ich gute Chancen in der Bewerbungsphase und nun kann ich ab Sommer eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik beginnen“, berichtet Florian von der Realschule plus Neuerburg.

 

Wie wichtig es, dass beide Seiten sich gut kennenlernen, erläutert Annette Turmann, Lehrerin und Berufswahlkoordinatorin Realschule plus Neuerburg: „Wir sind in der Eifel in einer strukturschwachen Region und brauchen einfach Betriebe, die sich mit uns zusammentun, damit unsere Schüler eine Zukunft haben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, auf Betriebe zuzugehen, ihnen eine Zusammenarbeit vorzuschlagen und ihnen zu vermitteln, dass wir motivierte Schüler haben, die in der Region bleiben wollen und dass sie hier ihre potentiellen Auszubildenden finden.“

 

Einen weiteren Tipp hat der Jugendmoderator Bob Boost, 17: „Die Schule sollte viel mehr Medienkompetenzen vermitteln, vielleicht sogar als Schulfach, damit Jugendliche lernen, wie man mit Medien umgeht. Denn über Online- oder Social Media kann man sich selber sehr gut informieren.“

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